[PROZESS] Mäuschen spielen bei PROSANOVA | machen

„PROSANOVA | machen“ ist die Übung zum Seminar zur Vorbereitung von PROSANOVA | 17. Das PROSANOVA-Festival wird in ein paar Monaten stattfinden, und nachdem das PROSANOVA das größte Literaturfestival für junge Literatur im deutschsprachigen Raum ist, gilt es, zeitig alles zu organisieren, zu planen, zu verbreiten. Bei der Übung während des Wintersemesters wurde die Gruppe von teilnehmenden Studierenden in Kleingruppen nach Ressorts aufgeteilt. Ressorts der PROSANOVA | 17 – Planung sind das Artist in Residence- und Schulprogramm, Marketing und Gästebetreuung, Finanzen und Materiallogistik, Raum und Party, Presse und Blog.

Wir gehören zum Presse–Ressort. Bei der letzten Sitzung der Übung durften wir Mäuschen spielen. Eigentlich wird alles hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, aber als Mäuschen mit Block und Stift in der Hand durften wir uns unbemerkt in alle Ressorts schleichen, neueste Informationen und Überlegungen aufschnappen, konkrete Ideenbesprechungen hinter vorgehaltenen Händen belauschen.

Leonie: Eigentlich schlich ich mich nicht wirklich unbemerkt in die Räume, in denen die Kommilitoninnen und Kommilitonen zusammen saßen und über ihren Plänen brüteten. Ich klopfte an der Tür, trat ein, legte die Karten auf den Tisch und fragte, ob ich Mäuschen spielen dürfte. Überall wurde ich herzlich Willkommen geheißen.

Im Artist in Residence-Ressort hieß es: „Ja klar, komm rein, kommst gerade noch rechtzeitig, bevor wir fertig sind.“

Mir wurde ein Stuhl dazugeschoben und ich lauschte dem Gespräch – es wurde über Workshop-Workshops, kurze Aufenthaltsstipendien während des Festivals und Betriebstreffen im positiven Sinne gesprochen.

Wenn du im Hinterkopf hast, dass du eine Maus sein willst, kommst du dir auf ein Mal sehr riesig vor. Dein Körper kommt dir riesig vor, da auf dem Stuhl sitzend und genauso groß wie die anderen, deine Füße kommen dir riesig vor, viel zu schwer und laut und trampelig.

Ich beschloss, weiter zum nächsten Ressort zu ziehen, verabschiedete mich beim Gehen noch freundlich, auch wenn ich kurz vor hatte, ohne etwas zu sagen zu verschwinden.

Elisa: In der gemütlichen Bibliothek des Alten Pächterhauses auf der Domäne Marienburg hat sich die Gruppe Marketing und Gästebetreuung mit dem Team Finanzen, Künstler°innenbetreuung und Materiallogistik unter der Leitung von Zoë Martin und Marina Schwabe zusammengesetzt. Aktuelles Thema ist die Planung des PROSANOVA | reisebüros. Dieser Service soll den Festivalbesucher°innen zur Verfügung stehen, um bei der Suche nach einer Unterkunft während des PROSANOVA | 17 unter die Arme zu greifen. In angeregter Diskussion wird hier außerdem über eine mögliche Bettenbörse, Künstler°innenunterkünfte und die Planung und Koordination von Shuttlebussen gesprochen. Wird es für die Gäste dieses Jahr einen Campingplatz geben?

Leonie: Bei der nächsten Gruppe – dem Raum-Ressort – standen aufgeklappte Laptops auf den Tischen, die Bilder, Grundrisse und Pläne des möglichen Veranstaltungsorts zeigten – es war tatsächlich wie gekonnt in eine geheime Besprechung gesneakt zu sein, Blicke auf unveröffentlichtes Material zu erhaschen.

Es wurde über einen Deal mit dem SVHI nachgedacht, über die Sicherheit von Regenplanen und darüber, dass es darunter kalt werden könnte und dann alle schlecht gelaunt wären. Es wurde die Einrichtung eines Fahrradverleihs in Betracht gezogen und überlegt, wie das Festival möglichst nachhaltig gestaltet werden könnte. Es kam auch der Gedanke auf, dass vieles leichter wäre, wenn das Festival in L.A. stattfinden würde, dann könnte man sich auf das Wetter verlassen. Als ich den Raum verließ, wurde davon gesprochen, dass es auch Strohhalme aus Stroh gäbe.

Wenn du eine Maus bist, musst du sehr aufmerksam sein. Sonst verpasst du die Überleitungen.

Elisa: Ich mache mich weiter auf den Weg zu Tatjana von der Beeks Gruppe, die sich hauptsächlich mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Festivals beschäftigt. Versammelt in der „Aussetzen-Barwerden mögliche Medienpartnerschaften und Berichterstattungen ausgewählt und diskutiert. Obwohl die Automaten heute besonders laut rattern, herrscht eine ausgelassene Stimmung. Vielleicht liegt es an den ersten Sonnenstrahlen, die die Räumlichkeiten der Domäne durchfluten, vielleicht aber auch am Festivalfeeling, was sich langsam bei allen breit macht!

Leonie: Meine letzte Station war der Besprechungsraum zweier Ressortgruppen – Marketing und Finanzen. Ich klopfte wieder vorsichtig an, fragte, ob ich Mäuschen spielen dürfe, es kam mir ein „Klaaar!“ entgegen, aber auch ein leicht genervtes „Wieso wollen denn alle Mäuschen spielen?“. Ich merkte an, dass nicht alle Mäuschen spielen wollten, dass das Privileg eigentlich nur bei einer Kommilitonin und mir läge. Dann setzte ich mich und versuchte, der Besprechung zu folgen. Es sollte Mara hinzu gezogen werden, es wurde gefragt:

„Wo ist Mara?“

„Soll ich Mara mal holen?“

„Spielt die Mäuschen?“

Ich fiel aus meiner Rolle und verriet, wo Mara war.

Es ging um Texte und Materialtabellen und Arbeitsverteilungen: „Der Text ist noch ein bisschen zu kompakt. Es ist gut, wenn der Text so entzerrt ist wie möglich.“

„Wollt ihr zwei noch mal über die Materialtabelle schauen? Du bist für heute entlassen in die Freiheit. Du kannst natürlich auch hierbleiben und mit über die Materialtabelle schauen, wenn du kein zu Hause hast. Und du wartest am Besten noch, bis Mara kommt.“

Ich schnappte das Ende eines Satzes auf: „Weil Pistazien ein Essen sind, dass die Esserinnen und Esser beschäftigt.“

Und dann war ich ganz irritiert, als ich, die da versuchte, als Maus trotz Riesenhaftigkeit still und unbemerkt auf ihrem Stuhl zu sitzen, von dem Kommilitonen neben mir gefragt wurde, in welchem Ressort ich sei.

„Presse“.

Braucht ihr irgendeinen Stuff?“

„Stuff?“

„Material.“

„Achso. Nee, denke nicht. Also doch. Papier und Mappen vielleicht. Und Pistazien für die Mäuse.“

Das mit den Pistazien für die Mäuse sagte ich nicht in Wirklichkeit. Aber in Wirklichkeit war ich auch gar keine Maus. Aber ich fühlte mich so. Ich fühlte mich wie sneeky durch die PROSANVOVA Machen Übung huschend. Und ich fühlte mich nach Pistazien. Und ich fühlte mich danach, PROSANOVA zu machen.

Elisa: Das Raum-Team um Helene Bukowski muss ich zunächst erst einmal suchen! Im Alten Pächterhaus des Musikinstituts mache ich sie dann schließlich ausfindig. Hier wird gerade bei konzentrierter Stillarbeit nach Trödelläden und Lagermöglichkeiten recherchiert. Anschließend werden Dokumentationen über die vergangenen Festivals angesehen um zu reflektieren, wie dort mit Raum umgegangen und gedacht wurde.

Elisa Frankenstein und Leonie Lerch

[PROZESS] ist die Textreihe aus der Entstehung des PROSANOVA | 17.