[POOL] Schokolade, Bier und Vogelfutter

Die Orte, an denen Prosanova stattfindet, besitzen Vergangenheiten, in denen einst Fabrikarbeiter Zigaretten auf Wurstbroten ausdrückten und Verkäufer mit Preispistolen Gemüse erschossen. Für ein paar Tage im Sommer erinnern Backstein und Stahlbeton aber nicht mehr an den grauen Nordstadtalltag, sondern bilden Unterschlupf für die Literatur, ihre leibhaftige Zelebration und ihre Fans.

Letztes Wochenende haben wir angefangen das PROSANOVA Gelände zu bebauen. Rückblickend können wir sagen, erst war es staubig, zum Schluss nicht mehr ganz so.

Auf einem kleinen Tischchen standen Kekse und heißer Kaffee bereit – das Crew-Care-Team hatte an alles gedacht!

Der alte, verlassene, staubige Flair. Die rostigen Ecken. Kaputte Fenster. Kabel, die aus der Wand hängen. Alte Überbleibsel – das lädt ein. Das hat Charme. Manchmal ist weniger mehr.

Staub in der Lunge, Staub im Gesicht. Wenn ich mir die Hände wasche, tropft es grau ins Spülbecken. Es gibt keine Seife. Das Wasser ist scheißkalt. Scheiß April.

Wie staubig alte Äste aus dem Wald sein können, wenn man beginnt sie abzuschleifen. Dabei sehen sie aus wie runzelige alte Haut und sind weich wie die eines Neugeborenen.

Paletten zusammenpuzzeln. Ganz viel Putzen. Beppo der Straßenkehrer hat gesagt: Immer nur an den nächsten Schritt, den nächsten Besenstrich denken. Der Staub hängt bis an die Decke, schnaubend stolpern wir an die frische Luft.

Es scheint, als könnte man keine zweimal denselben Ort besuchen. Denn immer, wenn man wieder da ist, hat er sich gänzlich verändert. Manchmal braucht es schon eine Flex, um das Eis zu brechen.

Jemand zitiert Hornbach Werbesprüche, während im Backstage ein Regal zusammengeschraubt wird: Sag es mit Deinem Projekt. Keiner spürt es so wie Du.

Erstaunlich, wie aus einer Halle vollgestellt mit Sofas, vertrockneten Kakteen und einem Kinderwagen aus dem letzten Jahrhundert so schnell so etwas wie Bars, coole Lampen und ein Buchladen entstehen kann. Was man nicht alles basteln und werkeln kann aus einem Haufen scheinbar unzusammenhängendem Zeugs. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals ein Bücherregal konzipieren und bauen würde, dass 2 Meter hoch, 2 1/2 Meter lang und 1 Meter tief ist.  Wenn man gemeinschaftlich etwas baut, von dem alle gespannt sind, ob es wirklich gelingen wird, lobt man sich einfach unfassbar viel und wird dabei immer größenwahnsinniger.

Nach der letzten vierstündigen Ast-Art-Session konnte ich nachts nicht schlafen, weil meine Sehnen sehr schmerzten, dass ich mir irgendwann aus lauter Verzweiflung eine Armbandage aus einem Schal bastelte. Wenn ich eins bei PROSANOVA|bauen gelernt habe, dann das Improvisieren.

Schrauben, Kaffee, Liebe, kalt, irgendwas fehlt – dann ab zum OBI, da sind wir froh wie nie und haben die dort nicht das, was wir benötigen, gibts ja noch Jawoll                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               toll, toll, toll.

Jawoll, hier gibt es alles, ich greife nach Schokolade, Bier und Vogelfutter, hab die Arme voll. Farukh weist mich zurecht, na gut, wir kaufen nur die Schrauben.

In Hillywood geht ja doch was. Bei der Location kann PROSANOVA l 17 nur genial werden.

[CUT] aus Texten von Rachel Bleiber, Paula Häfele, Judith Hördt, Theresa Kawalek, Lukas Kleinert, Clara Leinemann, Antje Schnarr, Theresa Schrödl, Laura Smail und Jenne Fine Wende.

[POOL] ist eine Sammlung von Beobachtungen des Teams von PROSANOVA | 17.