[POOL] „Am Ende sagte er: für vier Tage macht ihr hier dann so pi pa po?!“

Das Wort zum Montag: Pressstempelkanne.

SMS-Perle des Tages: und vielleicht ist es akustisch mit Mikro einfach besser weil wir wegen der Erde ja auch keine Tür mehr haben.

Großer Aldi-Putztag. Das blieb nicht unbemerkt. Die Polizei war da: „Wir haben einen Anruf bekommen, dass fünf Jugendliche im Aldi skaten würden.“

Jetzt fühlt es sich an, als hätte ich einen Frosch im Hals oder würde Husten kriegen. Dabei ist es vermutlich nur ein Klumpen Staub. Es ist wie Ole sagt, man fühlt sich am Abend wie Sancho Pancho.

Gestern waren Helene, Leonie&Leonie und ich noch an der Steingrube und haben auf einer Picknickdecke bunte Tüten gesnackt. Dann lief Caro zufällig vorbei, sie hatte ein Weinglas in der Hand und hat erzählt, dass sie früher bei den Nacktschnecken immer die Fühler angetippt hat, damit sie sie einziehen. Ihre Mutter musste sie immer auf dem Arm tragen, wenn es geregnet hatte, weil es sonst Stunden gedauert hat, vom Haus über den Weg zur Straße runter zu laufen, weil sie das bei jeder einzelnen Schnecke gemacht hat, und wenn bei einer die Fühler schon wieder draußen waren, ist sie wieder zu ihr zurück gelaufen. Leonie hat sich geschüttelt vor Ekel, weil sie Nacktschnecken hasst. Das war die schönste Geschichte des Tages.

Gestern durfte ich auf den gelben Hubwagen in der Eisenhalle klettern. Darauf hab ich seit Wochen gewartet. Ole sagt: bitte nicht auf das Podest pupsen.

Ich korrigiere: Es fühlt sich nicht an, als würde ich Husten bekommen – ich habe Husten bekommen. Nix Sancho Pancho.

Luca und ich haben uns in eine Palette verliebt, sie ist eine sehr kleine Palette und deshalb sehr süß, außerdem sind die Bretter unterschiedlich holzfarben, ein richtiger Farbverlauf ist das, was sie auch zur schönsten Palette macht.

Die Babyvögel, die in einem Loch in der Mauer der Eisenhalle gewohnt haben, sind ausgezogen. Das ist für uns traurig, weil die unglaublich klein und flauschig waren, aber gut für die Vögel. Nicht alle mögen Festivallärm. Kann ich verstehen.

Ich habe geheime Nachrichten in Stein gemörtelt. Wer sie findet, darf sie nicht verraten. Wenn man alle zusammensetzt, ergeben sie ein fantastisches Nordstadt-Märchen.

Lasse sagt, jemand war im Schimmelhäuschen und hat Kerne gegessen. Ole glaubt es war ein Tier. Das Schimmelhäuschen darf aber nicht mehr so genannt werden, weil kein Schimmel mehr drin ist. Außerdem ist das nun der Infokiosk und hat eine karibische Terrasse vor der Tür.

Heute gab es das erste Mal Eis für alle. Und während wir uns so über unsere Münder schleckten, sich das gleißende Sonnenlicht am rosafarbenen Buchladen abstieß und die eh schon warmen Gesichter noch heißer glühen ließ. Da dachte ich an diesen einen Sommerabend von früher, an welchem wir mit aufgeschürften Knien, Kiessplittern in den Handballen und müde verschwitzen Gesichtern, Wassereis essend und mit Inline-Skates an den nackten Füßen, am Straßenrand saßen – nicht sprachen, sondern einfach nur kurz Sommer waren.

Wir machen Wettrennen mit den Rollsesseln im ALDI und überlegen, ob wir einen Sessellift bauen sollen. Den Plan einen riesigen, hollywood-artigen PROSANOVA-Schriftzug auf das Aldi-Dach zu setzen verwerfen wir leider viel zu schnell wieder.

Bei Gewitter wird das Festivalzentrum auf Wasserdichte getestet. Es regnet durch. Aber nur an manchen Stellen. Wir haben Teekannen zum Auffangen aufgestellt. Aus Langeweile malt sich Alex ein Tattoo auf den Bizeps.

Ein Typ mit Fahrrad steht eben vorm Büro und fragt ins Helle was das hier wohl sei. Ich erkläre ihm bella und prosa, zwischendurch stellen wir fest, dass er mit meiner Mitbewohnerin studiert. Zum Abschied gebe ich ihm einen Flyer mit, er sagt: Dann sehen wir uns da. Jetzt wummert wieder Musik bei offener Bürotür in die Nacht.

Neulich waren die Nachbarn aus der Nordstadt bei uns zu Besuch. Helene hat eine Führung für sie gemacht. Alle waren sehr beeindruckt. Immer, wenn wir einen neuen Raum besichtigt haben, fragte einer der Nachbarn, ob das hier denn jetzt schon losgehen würde. Helene musste jedes Mal sagen, dass das Festival nur vier Tage stattfinden wird. Am Ende sagte er: für vier Tage macht ihr hier dann so pi pa po?!

 

[CUT] aus Texten von Tatjana von der Beek, Helene Bukowski, Jelena Kern, Caro Kister, Lasse Kohlmeyer, Judith Hördt, Luca Lienemann, Zoe Martin, Hannah del Mestre, Phillipp Müller.

[POOL] ist eine Sammlung von Beobachtungen des Teams von PROSANOVA | 17.