[PHON] Marina über Skriptor

Am Sams­tag, dem 14.01.2017, fin­det im Alten Roten Löwen Rein in Ber­lin um 18 Uhr die Ver­an­stal­tung SKRIPTOR statt. Ich habe bei Mari­na Schwa­be nach­ge­fragt, was es damit auf sich hat.

Was ist SKRIPTOR, was pas­siert da?

Skrip­tor ist eine abend­fül­len­de Ver­an­stal­tung und es ist sowas ähn­li­ches wie eine öffent­li­che Text­werk­statt. Also im Grund­satz etwas, das wir hier an der Uni häu­fi­ger haben: Jemand stellt einen Text vor, und dann gibt es eine Run­de, die den Text vor­her gele­sen hat und ihn auf pro­duk­ti­ons­äs­the­ti­sche Merk­ma­le unter­sucht. Also wie kann man den Text so vor­an brin­gen, dass er für Lese­rin­nen und Leser noch inter­es­san­ter ist? Nor­ma­ler­wei­se pas­siert das in geschlos­se­nen Räu­men, wo auch bestimm­te Zugangs­vor­aus­set­zun­gen bestehen. Wir wol­len das statt­des­sen öffent­li­ch machen und glau­ben, dass sich dadurch vie­le Din­ge ver­än­dern, zum Bei­spiel das Spre­chen über den Text. In die­sen geschlos­se­nen Räu­men hat man schon eine Spra­che eta­bliert, zusam­men mit der Grup­pe.

Wer sind die Betei­lig­ten bei SKRIPTOR und wel­che Tex­te wer­den gele­sen?

Es wird zwei Run­den geben, eine dau­ert unge­fähr eine Stun­de und 15 Minu­ten. Eine Run­de Pro­sa und eine Run­de Lyrik. Der Text in der Pro­sa-Run­de ist von Nora Lin­ne­mann, und in der Lyrik-Run­de ist der Text von Sas­kia War­zecha. Die Tex­te wer­den jeweils von sechs und fünf Leu­ten bespro­chen und das Gan­ze wird von dem Mode­ra­tor Donat Blum zusam­men­ge­hal­ten.

Und war­um wur­den die­se Tex­te aus­ge­wählt?

Wir hat­ten von bei­den Auto­rin­nen schon Sachen für die BELLA vor­lie­gen und fan­den die irgend­wie inter­es­sant. Die Ver­an­stal­tung machen wir zusam­men mit der Edit und mit Mathi­as Zei­ske, das ist der Her­aus­ge­ber von der Edit. Mit ihm haben wir bespro­chen, wel­che Stim­men wir inter­es­sant fin­den. Wir woll­ten jeman­den, der noch kei­ne eige­ne Ver­öf­fent­li­chung hat, aber rela­tiv kurz davor steht. Also Tex­te, die von Leu­ten kom­men, die schon eine gewis­se Erfah­rung mit sol­chen Kon­tex­ten haben. Und gleich­zei­tig muss es sich aber noch loh­nen über die­se Tex­te zu spre­chen. Wenn die Tex­te ver­öf­fent­licht und schon in einem Ver­lag ange­kom­men sind, dann braucht man das ja nicht noch­mal zu bespre­chen.

Wie wur­den die Leu­te aus­ge­wählt, die die Tex­te dis­ku­tie­ren sol­len?

Die kom­men aus ver­schie­de­nen Kate­go­ri­en, das sind Leu­te aus dem Ver­lag, das sind Autor°innen, die schon etwas erfah­re­ner sind und das sind Stu­die­ren­de, die aber auch an Schrei­bin­sti­tu­ten stu­die­ren. Wir haben ver­sucht, dass die Leu­te aus ver­schie­de­nen Ecken kom­men, von denen wir aber hof­fen, dass sie trotz­dem gleich­be­rech­tigt mit­ein­an­der spre­chen kön­nen.

Was erhoffst du dir von dem For­mat und wor­auf freust du dich am meis­ten?

Ich freue mich rich­tig doll auf das gesam­te Ding. Ich freu mich auf die Momen­te, wenn Leu­te was in Worte fas­sen, was ich viel­leicht nur den­ke oder füh­le. Ich hof­fe, dass es für alle gewinn­brin­gend ist, die im Raum sind. Also nicht nur für die Auto­rin­nen, son­dern auch für mich selbst. Wenn ich den­ke, ah ja da hat jemand das sehr gut getrof­fen. Aber das muss es auch gar nicht sein. Es muss gar nicht die per­fek­te For­mu­lie­rung sein, son­dern ich fin­de es gut, den Raum zu öff­nen und ande­ren Leu­ten ver­mit­tel­bar zu machen, wie unse­re Arbeit häu­fig funk­tio­niert. Weil ich glau­be den aller­meis­ten Men­schen nicht so klar ist, wie ein Text ent­steht.

Hat der Abend ein bestimm­tes Ergeb­nis als Ziel oder ist das sehr offen?

Es ist sehr offen, es gibt kei­ne Publi­ka­ti­on, kei­nen Preis. Aber wir wol­len das For­mat tes­ten für PROSANOVA, weil wir es ger­ne da wie­der­ho­len wür­den. Hele­ne und ich waren auf den Solo­thur­ner Lite­ra­tur­ta­gen, auch einem Fes­ti­val, und da gab es Skrip­tor zum ers­ten Mal. Das wur­de auch von Donat Blum mode­riert, dadurch wur­den wir inspi­riert das aus­zu­pro­bie­ren. Damals haben wir das auch mit Mathi­as Zei­ske dort gese­hen, des­we­gen kam über­haupt erst die­se Idee zustan­de. Wir glau­ben, dass das schon fes­ti­valtaug­li­ch ist, aber wir wol­len das noch­mal mit einer ande­ren Beset­zung tes­ten und gucken, ob es läuft.

Also habt ihr die Idee eigent­li­ch geklaut?

Wir haben die Idee geklaut. Wir haben aber sowohl den Mode­ra­tor gefragt, als auch die Initia­to­ren, ob das in Ord­nung ist. Und das ist in Ord­nung.

Soll die Ver­an­stal­tung jetzt regel­mä­ßig statt­fin­den?

Erst­mal tes­ten wir es ein­ma­lig. Es wird höchst­wahr­schein­li­ch eine wei­te­re Auf­la­ge beim PROSANOVA geben. Ich kann mir aber total gut vor­stel­len, dass es sowas regel­mä­ßig, viel­leicht ein- oder zwei­mal im Jahr gibt. Ich den­ke, dass es ein gro­ßes Inter­es­se weckt. Ich glau­be, das ist schon sowas, was auch für Leu­te, die eta­bliert sind oder schon tau­send Text­werk­stät­ten durch­ge­macht haben, noch span­nend sein kann.

War­um Ber­lin?

Ja… da sind die aller­meis­ten Autor°innen. Wir hät­ten das nicht in Leip­zig machen wol­len und auch nicht in Hil­des­heim, weil es ja eine Koope­ra­ti­on ist von den bei­den Zeit­schrif­ten. Aber auch, weil ein­fach ganz vie­le von den Leu­ten, an die wir gedacht haben, in Ber­lin sind. Und es ist eine Ver­an­stal­tung, die kom­plett ohne Bud­get läuft. Das heißt, es dür­fen so gut wie kei­ne Kos­ten ent­ste­hen. Und wenn man es wie­der­ho­len wol­len wür­de, müss­te man es ein­fach grö­ßer den­ken, aber im Moment machen das halt alle für Umme, die da kom­men.

Kein Hono­rar?

Kein Hono­rar. Gar nichts. Es gibt Fahrt­kos­ten aber son­st nix.

Also kos­tet die Ver­an­stal­tung auch kei­nen Ein­tritt?

Es kos­tet auch kei­nen Ein­tritt.

Wer soll zu der Ver­an­stal­tung kom­men und wie kann man sich als Publi­kum betei­li­gen?

Ja, man kann sich betei­li­gen. Nach jeder offi­zi­el­len Run­de wird es eine inter­ne Run­de geben, in der das Publi­kum Fra­gen stel­len kann. Es kann Ergän­zun­gen machen, kann alles, was vor­her gesagt wur­de, anzwei­feln. Die Fra­gen wer­den dann ent­we­der in die Dis­kus­si­ons­run­de gege­ben und wenn es kei­ne Fra­gen sind, kann man ein­fach mode­riert spre­chen.

Braucht man irgend­wel­che Vor­kennt­nis­se?

Man soll­te sich schon für Lite­ra­tur inter­es­sie­ren. Es wird hin­ter­her kei­ne Par­ty geben, es wird nach­her noch ein biss­chen abge­han­gen. Also wenn man nur mit Autor°innen abhän­gen will, dann kann man das auch!

Die Fra­gen stell­te Judith Hördt.

[PHON] ist eine Inter­viewrei­he mit Mit­wir­ken­den des PROSANOVA | 17.