[PHON] Marie über Chris, Chris über Marie

Marie Gamill­scheg arbei­tet als freie Jour­na­lis­tin und Auto­rin, sie war unter ande­rem Teil­neh­me­rin des 22. open mike und des Kla­gen­fur­ter Lite­ra­tur­kur­ses 2016. Chris Möl­ler arbei­tet als Ver­an­stal­tungs­vo­lon­tä­rin beim Suhr­kamp Ver­lag und ist Mit­be­grün­de­rin der Lese­rei­he „Kabeljau&Dorsch“. Marie und Chris waren unse­re Gäs­te des Werk­statt­ge­sprächs beim Semi­n­ar PROSANOVA | den­ken am 18. Janu­ar. Für den [BLOG] haben bei­de getrennt von ein­an­der Fra­gen über die jeweils ande­re beant­wor­tet.

Marie, war Chris wirk­li­ch so sou­ve­r­än, wie sie wäh­rend des Gesprächs wirk­te, oder war sie auf­ge­regt?

(lacht) Ich weiß nicht, was man dazu sagen darf und was nicht. Klar war sie ein biss­chen auf­ge­regt, wir bei­de. Aber im Gespräch war sie auf alle Fäl­le groß­ar­tig und alles ande­re ist ja hier­für unwich­tig.

Chris selbst schreibt kei­ne lite­ra­ri­schen Tex­te. Glaub­st Du, dass sie dadurch einen ande­ren Bli­ck auf sol­che Tex­te hat?

Es hat bestimmt einen Vor­teil, dass sie sich die Tex­te als rei­ne Rezi­pi­en­tin anschau­en kann. Und dass es bei ihr vor allem um die Leseer­fah­rung geht. Das soll nicht bes­ser oder schlech­ter sein, aber ja, es ist gut, auch noch einen ande­ren Blick­win­kel drin zu haben. Als Autor°in über­legt man viel­leicht auch immer mit, wie löst der/die das, oder wie könn­te man das anders machen.

Chris sag­te in dem Werk­statt­ge­spräch, dass Tex­te mehr gefei­ert wer­den soll­ten. Wel­che Tex­te fei­ert sie beson­ders?

Chris fei­ert Tex­te, die vor allem auf sprach­li­cher Ebe­ne Neu­es ver­han­deln. Viel wagen und das gekonnt durch­zie­hen. Tex­te, bei denen man sich nicht denkt, die könn­ten pas­sie­ren oder nicht, eigent­li­ch auch unwich­tig. Son­dern Tex­te, bei denen man sich denkt, die müs­sen auf jeden Fall gen­au so geschrie­ben wer­den. Ja, Tex­te, die etwas wagen.

Hät­test Du Lust mal mit Chris zusam­men zu arbei­ten und, wenn ja, wie wür­de das aus­se­hen, wor­auf wür­det ihr beson­ders ach­ten?

Ja, klar hät­te ich Lust. Chris hat immer tol­le Ide­en und was sie macht, zeigt natür­li­ch auch, dass sie die­se umset­zen kann. Wir wür­den wahr­schein­li­ch vie­le Ide­en haben, und dann mit der Zeit drauf kom­men, dass vie­les davon nicht umsetz­bar ist. Viel­leicht wür­den wir ver­su­chen tra­di­tio­nel­le For­ma­te auf­zu­bre­chen und nicht eine klas­si­sche Lesung zu machen. Son­dern immer wie­der schau­en, wie kön­nen wir es neu machen. Und dann auch mal drauf schei­ßen, wenn es nicht so gut klappt, aber zumin­dest sagen zu kön­nen, man hat es pro­biert und nächs­tes Mal kann man es anders machen.

Wen wür­de Chris zum PROSANOVA ein­la­den, wenn sie einen Wunsch­gast hät­te?

Es gibt natür­li­ch ein paar Autor°innen, die sie toll fin­det. Aber viel­leicht wür­de sie gar nicht die gro­ßen Stars sehen wol­len, son­dern ein­fach die Autor°innen der Kabeljau&Dorsch-Anthologie. Für Chris steht schon weni­ger der Name, son­dern der Text im Vor­der­grund. Und ich glau­be, wenn da ein Text von jeman­dem ist, den sie nicht kennt, der aber etwas zeigt, dann wird sie das gut fin­den.

Die Fra­gen stell­te Han­nah del Mestre.

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Chris, wo ist dir Marie erst­mals begeg­net?

Marie ist mir zum ers­ten Mal bei Kabel­jau & Dor­sch begeg­net, wo sie bei einer unse­rer ers­ten Ver­an­stal­tun­gen als Auto­rin ihren Text gele­sen hat.

Wel­che The­men behan­delt sie in ihren Tex­ten und inwie­fern tref­fen sie den Nerv der Zeit?

Die Tex­te, die ich von ihr ken­ne, behan­deln The­men wie Hei­mat, Pro­vinz und das Anders­sein. Aber wahr­schein­li­ch wird das ihrem „Gesamt­werk“ gar nicht gerecht. Kon­kret den­ke ich gera­de an den Text „Wenn sie kom­men“, indem Marie sehr prä­zi­se das Bild eines Dor­fes und einer Dorf­ge­mein­schaft ent­wirft, die nur als ein komi­sches wabern­des Wir spricht. Sie ver­mit­telt dabei ein sehr star­kes Stim­mungs­bild von die­sem Ort. Ihre Tex­te beschwö­ren Bil­der die so für jeden les­bar sind, obwohl sie abs­trakt und sprach­ver­spielt sind. Inso­fern fin­de ich ihre Tex­te sehr zeit­ge­mäß!

Wie wür­dest du ihren Schreib­stil beschrei­ben und was macht die­sen beson­ders?

Der Stil ist sehr rhyth­mi­sch und sehr sprach­be­wusst. Es han­delt sich um eine fein gebau­te Pro­sa, die mit einer Art Wel­len­be­we­gung etwas ganz Mythi­sches kre­iert. Es gibt eine bedroh­li­che Unter­grund­span­nung, die vor allem durch Wie­der­ho­lun­gen ent­steht.

Wenn Marie eine Sache im Lite­ra­tur­be­trieb ändern könn­te, wel­che wäre das?

Wenn sie könn­te, wür­de Marie wahr­schein­li­ch sehr vie­le Ungleich­hei­ten ändern. Ich habe sie dar­um auch aus einem ganz bestimm­ten Grund zum heu­ti­gen Werk­statt­ge­spräch mit­ge­bracht, da es um Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit gehen soll­te. Ich glau­be, dass die­se The­ma­tik für sie sehr prä­sent ist! Also die Fra­ge, was es für eine Frau bedeu­tet in die­sem Betrieb zu sein. Und da wür­de sie sicher­li­ch ger­ne mal eini­gen Män­ner in den Arsch tre­ten. (lacht)

Wen wür­de Marie zu PROSANOVA | 17 ein­la­den?

Viel­leicht wür­de Marie eine Auto­rin ein­la­den, die wir bei­de sehr schät­zen und zwar Doro­thee Elmi­ger. Ich glau­be sie bil­det unse­re gemein­sa­me Schnitt­men­ge!

Die Fra­gen stell­te Eli­sa Fran­ken­stein.

[PHON] ist eine Inter­viewrei­he mit Mit­wir­ken­den des PROSANOVA | 17.