[PHON] Maren über Fabian, Fabian über Maren

Am 14. Dezem­ber 2016 waren die Auto­rin Maren Kames und der Her­aus­ge­ber Fabi­an Tho­mas zu Gast im PRO­SA­NO­VA-Semi­n­ar. Maren Kames’ Debüt Halb Tau­be Halb Pfau erschien jüngst im seces­si­on Ver­lag. Sie arbei­tet an der Schnitt­stel­le von Lyrik, Pro­sa und Dra­ma. Fabi­an Tho­mas ist Mit­be­grün­der des Digi­tal­ver­lags shelff und schreibt regel­mä­ßig auf sei­nem Blog The Dai­ly Frown. Für den [BLOG] beant­wor­te­ten bei­de getrennt von ein­an­der Fra­gen zur jeweils ande­ren Per­son.

Maren, welche Autorinnen/Autoren wür­de Fabi­an ger­ne ver­le­gen wol­len?

Das kann ich nicht sagen, weil Fabi­an sich spe­zia­li­sie­ren wür­de auf das Aus­gra­ben von Rari­tä­ten, deren Namen noch kaum einer kennt, ich zumin­dest nicht. Tho­mas Bern­hard hät­te er ger­ne ver­legt gehabt, wegen der Wit­zig­keit der Kom­bi­na­ti­on aus des­sen Rase­rei und sei­ner Engels­ge­duld.

Was fin­det Fabi­an bes­ser? E-Book oder gebun­de­nes Buch? War­um?

Bei­des wegen Lite­ra­tur­love. Buch wegen Geruch. E-Book wegen — war­um eigent­li­ch Fabi­an?

Wel­che drei Worte fal­len Fabi­an zu dei­nem Lyrik­band Halb Tau­be, Halb Pfau als ers­tes ein?

Ers­tens toll. Zwei­tens Ton­ne. Drit­tens Lie­be, komi­scher­wei­se.

Wenn Fabi­an einen Arti­kel oder Blog-Bei­trag zu einem aktu­el­len The­ma schrei­ben müss­te, über was wür­de er berich­ten?

Er macht das ja eigent­li­ch uner­müd­li­ch auf „The Dai­ly Frown“, daher sucht er sich schö­ner­wei­se sein eige­nes Pro­gramm zusam­men, das auch gar nicht nur auf Aktua­li­tät geht, sondern manch­mal eben auch unbe­kann­te und älte­re Sachen aus­gräbt. Also ich glau­be er wür­de eher einen Lite­ra­ri­schen Jah­res­rück­bli­ck schrei­ben, als jetzt aktu­ell über das Mas­sa­ker von Alep­po. Viel­leicht weil es ihm um Sachen geht, die blei­ben.

Wel­che Autoren/Autorinnen wür­de Fabi­an auf dem PROSANOVA | 17 — Fes­ti­val auf jeden Fall sehen wol­len?

Bob Dylan (lacht) und mich.

Die Fra­gen stell­te Eric Voigt.

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Fabi­an, wie war dein ers­ter Ein­druck von Maren Kames auf lite­ra­ri­scher Ebe­ne?

Das kann ich ziem­li­ch gen­au sagen, das war als ich die BEL­LA-Aus­ga­be zu PROSANOVA 2014 gele­sen habe, da ging es um Bekennt­nis­se und da war so eine Art Mani­fest, ein poe­to­lo­gi­scher Text von ihr drin, der mich ziem­li­ch gepackt hat. Das war eigent­li­ch nicht mein ers­ter lite­ra­ri­scher Ein­druck, aber das war mein ers­ter Ein­druck der rich­tig hän­gen geblie­ben ist. Sie schreibt dar­über, wie sie schreibt und was schrei­ben für sie bedeu­tet und da sind ein paar ziem­li­ch gute Stel­len drin. Da gibt’s zum Bei­spiel ein Zitat: „Ich such nach etwas, das unter Ein­satz des gan­zen Kör­pers zustan­de kommt“ So eine Art Schrei­ben als Gesamt­kunst­werk zu sehen. Das war so mein Ein­druck, wo ich das ers­te Mal gedacht habe, das ist etwas Inter­es­san­tes, was da pas­siert.

Dir ste­hen drei Sät­ze zur Ver­fü­gung, um ihren Stil zu beschrei­ben. Wel­che wären das?

Also ich wür­de sagen, das ist ein sehr eigen­sin­ni­ger Stil und sie ist jemand, wo es sehr stark um den Klang und die Worte geht. Also es geht jetzt nicht dar­um, dass gereim­te Gedich­te ent­ste­hen, aber es geht um Klang­lich­keit und das Audi­tive.

Außer­dem hat es eine sehr gro­ße Direkt­heit, die Prä­senz ist sehr groß. Ich glau­be das ist eine Direkt­heit, die die Leser sehr anspricht, wo man mit­ge­nom­men wird, wo man sich gut zu con­nec­ten, ein Ver­hält­nis auf­bau­en kann, als Leser. Vor allem weil es auch eine Spra­che ist, die schon sehr eigen, aber nicht beson­ders kom­pli­ziert ist. Sie schöpft aus einem ziem­li­ch regu­lä­ren oder fast umgangs­sprach­li­chen Reser­voir und spricht oder schreibt in ihren lite­ra­ri­schen Tex­ten, so wie sie auch nor­mal spre­chen wür­de. Das ist eine Kunst das zu ver­pa­cken. Das begeis­tert dann auch, man denkt, das ist gar nicht so hoch sti­li­siert, hoch intel­lek­tu­ell, aber trotz­dem etwas sehr Beson­de­res.

Ich glau­be tat­säch­li­ch, dass das Buch nur ein Teil von dem ist, was sie macht, weil sie von ihrem Schrei­ben her oder von der Art wie sie, ich sag mal, Kunst macht, eigent­li­ch grenz­über­schrei­tend ist. Inter­dis­zi­pli­när, oder dass sie eben nicht beim Text auf­hört, son­dern auch mit Audio­ebe­nen arbei­tet oder räum­li­ch den Text per­formt, bei der Prä­sen­ta­ti­on des Tex­tes dar­auf ach­tet, wo fin­det das statt, wie ist der Raum. Das trägt glau­be ich auch dazu bei, dass das ein Gesamt­kunst­werk ist, was da ent­steht. Dass sie an irgend­was arbei­tet und am Ende jetzt die­ses Buch steht, aber das ist eigent­li­ch gar nicht das Ende.

Du hast ja bereits auf The Dai­ly Frown über Maren Kames Debüt Halb Tau­be Halb Pfau geschrie­ben, hat dich ihr Werk inspi­riert?

Ich füh­le mich von ihrem gan­zen Schrei­ben auf jeden Fall inspi­riert, weil es eine Art von The­men­fel­dern und Gebie­ten auf­macht, die ich span­nend fin­de. In die­sem Text, oder Text­ge­flecht, was jetzt „Halb Tau­be Halb Pfau“ bil­det, spie­len ja auch vie­le ande­re Sachen mit rein. Sie hat zum Bei­spiel auch ein Hör­spiel gemacht, dass aus einem ähn­li­chen Mate­ri­al besteht, wo es zum Bei­spiel um Ant­ark­tis Expe­di­tio­nen geht und die­ses The­ma Lee­re, Schnee und das wei­ße Blatt im über­tra­gen­dem Sin­ne. Das fin­de ich sehr span­nend und auch fürs Schrei­ben sehr inter­es­sant, wie man so eine Art von Angst vor dem Schrei­ben oder das Schrei­ben sel­ber, den Ver­su­ch krea­tiv zu sein the­ma­ti­siert. Und das ist, glau­be ich, jedem, der selbst auf irgend­ei­ne Art und Wei­se krea­tiv ist, ver­traut, dass es so ein Gefühl gibt und das fängt sie sehr gut ein. Das schafft sie auf eine Ebe­ne zu heben, wo es dar­um geht Lösun­gen zu fin­den oder fort­zu­kom­men, wei­ter­zu­kom­men. Das fin­de ich hat etwas sehr Inspi­rie­ren­des.

Siehst du Par­al­le­len zu dei­nen eige­nen Wer­ken? Impul­se, Gedan­ken­an­stö­ße, Anre­gun­gen.

Dadurch dass ich sel­ber gar nicht lite­ra­ri­sch schrei­be, wür­de ich mich nicht so direkt ver­glei­chen wol­len. Wie gesagt, die­ses selbst schrei­ben, oder die Angst vor dem wei­ßen Blatt, fin­de ich schon sehr span­nend, als Topos. Aber ich glau­be, das ist die­ser Punkt selbst lite­ra­ri­sch oder künst­le­ri­sch aktiv zu wer­den. Da bin ich sel­ber ein biss­chen raus (lacht).

Kann­st du dir vor­stel­len mit Maren Kames ein gemein­sa­mes Pro­jekt zu star­ten? Wenn ja, wie wür­de das aus­se­hen?

Wir haben ja schon ein gemein­sa­mes Pro­jekt gemacht. Also ich habe sie unter­stützt bei der Web­site zu „Halb Tau­be Halb Pfau“ (www.halb-taube-halbpfau.com). So etwas fin­de ich inter­es­sant. Ein Pro­jekt, wo das Buch und wo sie sich selbst prä­sen­tiert und dann haben wir kon­zep­tio­nell über­legt, wie man das machen kann. Also ich sehe mich dann, bei sowas eher in einer redak­tio­nel­len oder bera­ten­den Funk­ti­on, wo ich viel­leicht einen Rah­men bil­den kann.

Will­st du noch irgend­et­was über Maren Kames sagen, fällt dir noch irgend­et­was ein, was du uns über sie mit­tei­len möch­test?

Ich habe mir zu Hau­se noch was über­legt, aber das habe ich jetzt alles schon wie­der ver­ges­sen. (lacht) Nee, ich glau­be, so die­ses mit dem Grenz­über­schrei­ten­den, das fän­de ich ganz wich­tig. Dass die Art wie sie arbei­tet ziem­li­ch ein­zig­ar­tig ist und das sie etwas Beson­de­res macht, mit ihrem Schrei­ben. Was ich sehr gut fin­de.

Die Fra­gen stell­te Jan­ne Schrö­der.

[PHON] ist eine Inter­viewrei­he mit Mit­wir­ken­den des PROSANOVA | 17.