[PHON] #1 die Artists in Residence – ein Interview mit Bettina Wilpert

Bettina Wilpert, geboren 1989, aufgewachsen bei Altötting. Sie studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und Leipzig. Sie war u.a. Finalistin des 23. Open Mike und Stipendiatin des 20. Klagenfurter Literaturkurses. Veröffentlichungen zuletzt in der Zeitschrift „Outside the Box“ und in den Büchern „Destruktive Charaktere” und „Damaged Goods“. Sie arbeitet als Trainerin für Deutsch als Fremdsprache und lebt in Leipzig. 

Was erwartest du von dem Programm, den Workshops, Hildesheim?

So viel erwarte ich gar nicht, im Moment bin ich eher voll Vorfreude. Ich war vor drei Jahren als Gast beim PROSANOVA und das Wochenende war ziemlich aufregend. Inzwischen kenne ich einige Leute aus dem sogenannten Literaturbetrieb und deswegen fühlt sich das für mich wie eine Art Klassentreffen an. Ich freue mich also vor allem darauf, Leute zu treffen und meinen Text vorlesen zu können.

Wie lange schreibst du schon?

Ich schreibe natürlich schon immer, also seitdem ich schreiben kann. 😉 Aber richtig mit dem eigenen Schreiben beschäftigt habe ich mich erst, als ich 2013 das Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig angefangen habe. Inzwischen bin ich damit fertig und habe das Schreiben jetzt sehr gut in meinen Alltag integriert. Vor dem Studium hatte ich immer keine Zeit zu schreiben, jetzt ist das eigentlich meine erste Priorität.

Woran arbeitest du gerade?

Ich arbeite gerade an einem Roman mit dem Arbeitstitel „Gespenster, vielleicht“. Darin geht es um eine Vergewaltigung, bei der Aussage gegen Aussage steht. Mich interessiert nicht so sehr die juristische Auseinandersetzung oder ein klassisches Whodunnit. Ich beschäftige mich vor allem mit den Menschen und damit, welchen Einfluss eine Vergewaltigung auf die Betroffenen und das Umfeld hat. Beim PROSANOVA lese ich aus dem Anfang des Romans.

Gibt es einen Autor/ eine Autorin, die du gerne einmal treffen würdest oder als Workshopleiter°in hättest?

Tatsächlich hätte ich super gern Mithu M. Sanyal als Workshopleiterin. Im Zuge der Recherche für meinen Roman habe ich natürlich ihr Buch gelesen. Es würde mich sehr interessieren, was sie über meinen Text denkt. Deshalb freut es mich auch so, dass sie zum PROSANOVA eingeladen ist. Und treffen würde ich gern mal Stefanie Sargnagel, ich bin riesengroßer Fan.

Was liest du im Moment?

Im Moment lese ich „Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky. Das habe ich zu Weihnachten von meiner Mutter geschenkt bekommen.

Aus welcher Motivation heraus schreibst du bzw. für wen schreibst du?

Ich schreibe, weil es mir Spaß macht. Und weil es eine Art Zwang ist, also ich muss Texte, die ich einmal angefangen habe, einfach fertig schreiben, damit ich nicht wahnsinnig werde.

Hast du schon Erfahrung mit Schreibworkshops? Und wenn ja, wie waren die?

Durch mein Studium am DLL habe ich ziemlich viel Erfahrung mit Schreibworkshops. Außerdem nahm ich an einigen anderen Workshops teil, im Rahmen von Wettbewerben oder Stipendien. Die Workshops waren alle ziemlich unterschiedlich. Rückblickend kann ich sagen, dass man bei Gruppenworkshops zwar viel über Texte lernt, und sich dadurch auch das eigene Schreiben verbessert, also wenn man sich anguckt, wie andere Texte gemacht sind. Aber insgesamt finde ich Workshops sinnvoller, bei denen man ein Einzel-Gespräch hat. Zehn verschiedene Meinungen verwirren mich eher, als dass sie mir produktiv weiterhelfen.

Was arbeitest du im Moment oder studierst du?

Im Moment arbeite ich als Trainerin für Deutsch als Fremdsprache. Ich bin da zufällig rein gerutscht. Der Job lässt sich gut mit dem Schreiben vereinbaren und das ist der erste Job in meinem Leben, der mir wirklich Spaß macht, weil ich so viele unterschiedliche Leute treffe. Aber ich höre wahrscheinlich bald auf, weil ich keine Lust habe, zwei total prekäre Jobs (der zweite wäre dann das Schreiben) zu haben.

Hast du schreibende Vorbilder?

Klar: Elena Ferrante und Ljudmila Ulitzkaja liebe ich für die Art wie sie ihre Geschichten erzählen. Maxie Wander dafür, wie man aus recherchiertem Material Literatur machen kann. Christa Wolf für ihre Sprache und ihren Rhythmus und Ernst Toller auch für die Sprache und seine politische Haltung.

 

Das Interview führte Monika Schuster.

[PHON] ist die Interviewreihe mit Mitwirkenden des PROSANOVA | 17.