[FLASHBACK] #2 PROSANOVA 14 – Woche 4: beste zeit

fritz hat die beste zeit seines lebens und christian kracht wohnt in afrika

fritz hat heute am telefon zu seinen brüdern gesagt: „wenn ihr nicht zu prosanova kommt, verpasst ihr die beste zeit meines lebens.“ das war das schönste, was benjamin heute erlebt hat; meistens denkt er auch, dass jetzt die schönste zeit seines lebens ist, während helene das klo vergoldet und bepflanzt, wofür ich ihr viele kartons und leere weinflaschen besorge. johanna wüst ist völlig ausgerastet, als sie zum ersten mal lena von watts cafébar gesehen hat, die jetzt nur noch vollständig möbliert und gesaugt werden muss. jonas holz hat eine übertrieben schöne theke hingestellt; jetzt baut er im litradioraum weiter. er fühlt sich sehr wohl, weil ihm ständig jeder kaffee bringt. als jonas am ersten tag da war, war philipp komplett geplättet, weil da einfach in kürzester zeit eine perfekte theke stand und er den typ einfach nur krass fand. auf eine tafel habe ich in schreibschrift „rave“ geschrieben, um zu testen, ob meine kinderschrift schön genug ist, um die pressemappen zu beschriften. die challenge hat nora gewonnen. freya liebt es, kissen mit heißklebepistole zu bekleben. keiner weiß, wo matthias sich während der mittagspause versteckt. jacob arbeitet wegen seines druckers bis tief in die nacht am festivalgelände im litradio-raum. lena und martha sind gestern neun stunden transporter gefahren, um kostenlose möbel von hannover aufs festivalgelände zu bringen; seit heute hat lena probleme mit dem arm. christian kracht kommt nicht zu prosanova, weil er in afrika wohnt; das ist die lieblingsgeschichte der redaktion. über afrika, zumindest das afrika-festival, redet auch gerne der hausmeister bernd, der heute auch beim tag der offenen tür zu gast war. gestern haben wir eine 60 liter tüte popcorn gegessen. jeder liebt alina rohrer, weil sie überall auftaucht und hilft und oft auch leckere kuchen bringt. einmal hat willi den white cube überflutet, dann hat bernd gesagt, wir hätten beinahe ein massengrab gehabt. faraz hat zu mir gesagt, er ist irgendwie eifersüchtig, weil er nicht dabei ist.

gestern hab ich mit benjamin zum ersten mal bibi und die vampire zu ende gehört, was ich seit drei jahren versuche, aber dafür immer zu frühzeitig eingeschlafen bin. wir konnten beide das intro mitsingen. als zoe während des tags der offenen tür ein schuhkarton von der wand gefallen ist (sie hat milliarden schuhkartons liebevoll eingekleidet), musste sie sofort hinrennen, weil es ihr keine ruhe gelassen hat. lena war genervt, weil einer sie angerufen hat, um zu fragen, wo die schere liegt. inselbauzuständige sind martha, juan und urs, aber urs war heute nicht da, deswegen haben sich die schulkinder, die sich ebenfalls auf dem festivalgelände im noch bespielten teil des gebäudes befinden, näher an uns herangewagt. anna riedel hat heute mit uns telefondienst gemacht; wir arbeiten per hotspot, weil der techniker von der telekom, der uns am mittwoch das internet bringen sollte, am festivalgelände kein klingelschild mit „bella triste“ gefunden hat. gestern hatte hannah schlechte laune, dann haben wir im lager einen lästerraum etabliert. überraschenderweise habe ich noch keinen gefunden, der richtig ätzend ist. tatjana hat schichtpläne für jeden tag des festivals erstellt; heute wollte sie nicht mehr auf den bildschirm schauen und hat deswegen irgendwas gestrichen. ich wollte stuart partymaus und jonathan überreden, dass wir zu miss sophie ins bingohaus gehen, aber jonathan wollte lieber nicht. wir haben große angst vor festivaldienstag, weil wir da zum ersten mal die turnhalle betreten können und dann zehntausend quadratmeter mit teppich auslegen. zoe, luca und milan sind echt gut bei tischtennis; dafür haben fritz und ich tatjana bei badminton ein bisschen abgezockt, was gelogen ist, weil eigentlich sie uns abgezockt hat, was auch gelogen ist, weil fritz` schläger zu verbogen war, um richtig gewertet zu werden. jana hat ein riesiges prosanova-banner erstellt, das jetzt an der literaturkirche hängt, und jetzt freuen sich alle girlandenbastler über die vorlage. sophia hatte heute eine kleine tüte voller pilze dabei, die sie auf den grill gelegt hat. ich habe noch nie so oft meinen namen an einem tag gehört. am mittwoch kommt der bauzaun, den wir kostenlos leihen können. willi will ständig weißen stoff von mir, aber ich weiß auch nicht, wo ich den herbekommen soll. seit gestern sind die walkie-talkies auf dem gelände; johanna steht in kontakt mit phili, der sich selbst schnitzel nennt. andreas lässt sich bis prosanova den bart wachsen. beim tag der offenen tür hat jeder salat mitgebracht, lena war der grillmeister, aber leider dachten wir zu lange, es gebe schlechtes wetter und haben auch viele möbel drinnen aufgebaut. auf einer maschine in der commerzbank lag eine blume, die ich fürs festivalbüro mitgenommen hab; als es noch keine vasen gab, haben wir bierflaschen vergoldet. milan ist der küchenboss in dieser woche. benjamin und ich hatten streit in der redaktionssitzung, weil er immer so eine zicke ist. ich verstehe gar nicht, wieso alle von einer riesigen wg reden; bisher hat niemand von uns am festivalgelände geschlafen und kein einziger hat sein eigenes zimmer. rebecca hat heute 3 hängematten und 1 guten deal für den partyflyerdruck ausgehandelt. meistens sind wir von 10 uhr morgens bis 12 uhr nachts auf dem festivalgelände; nicht, weil wir so viel arbeiten, sondern weil wir auch manchmal einfach nur ein paar witze machen und auf sofas abhängen wollen. dabei überfällt uns oft eine unruhe, die wir mit staubsaugen lösen wollen. stuart ist backstage-verantwortlicher und liebt einfach wolfram lotz. am donnerstag hat uns daniel besucht und wir haben etwas geheimes besprochen, was hier nicht stehen kann; was hier stehen kann, ist, dass wir mit juan auf einer bank saßen und er uns erklärt hat, dass schuhe, die ungefähr fünf jahre halten sollen, für ihn zehn jahre halten sollen, weil er so geizig ist. es gibt noch nichts mit glitzer. es gibt was mit hobelspänen und sägen und computern. wir organisieren fahrtenlisten, die wir meistens mit karls auto machen, in das unfassbar viele sachen passen. lucky ist unser freund. während des tags der offenen tür hat juan mit stefan paletten für die inseln verlegt, weil er nicht so gern mit fremden spricht. auch paul ist vorbeigekommen, wir haben uns eine wurst geteilt. es war ein schöner tag. das ist der überblick.

Juli Zucker

[FLASHBACK] umfasst Beiträge von ehemaligen PROSANOVA-Beteiligten.